Interview mit Nicole Krenz – Neu-Gründerin vom Digitalen Coworking

Nicole Krenz ist Neu-Gründerin vom Digitalen Coworking. Nicole hat das Digitale Coworking vor einigen Monaten übernommen und seitdem komplett neu aufgebaut.

Im Digitalen Coworking finden sich zahlreiche Angebote für Selbstständige und Freelancerinnen. Mehr dazu und viele hilfreiche Tipps verrät uns Nicole in diesem Interview.


Blossy: Du hast das Digitale Coworking neu gegründet. Warum war dir dieses Projekt so wichtig? Gab es einen bestimmten Punkt, an dem Du dir dachtest „Ich muss das weiterführen“?

Nicole Krenz: Schwierige Frage – ich war selbst bereits Mitglied im Digitalen Coworking und fand den Aufbau über Slack & Zoom und das Konzept als solches toll und ausbaufähig. Je näher ich mich mit dem Gedanken beschäftigt hatte, das digitale Coworking zu übernehmen, desto mehr Ideen kamen mir dazu, wie ich das Konzept, das Branding und den Aufbau verändern und noch idealer machen könnte. Der Grundgedanke, eine Gemeinschaft aus Selbstständigen zu schaffen, die sich gemeinsam unterstützen, entwickelte sich Stück für Stück zu einer großen Vision, zu der ich einfach nicht Nein sagen konnte!

Mit jedem neuen Mitglied im digitalen Coworking fühlte sich die Entscheidung noch richtiger an und Stück für Stück habe ich dort eine Gemeinschaft aufgebaut, die nicht nur beruflich, sondern auch menschlich unglaublich inspirierend ist. Das Coworking entwickelt sich mit jedem neuen Mitglied weiter, denn wo so viele tolle, inspirierende Frauen zusammentreffen und so viele grandiose Ideen haben, entwickelt sich natürlich auch das digitale Coworking weiter.

Jennifer Thomas Fotografie

Was ist das Tolle am Digitalen Coworking? Welchen Mehrwert bietet es?

Das Wertvollste am digitalen Coworking ist der Austausch untereinander. Die Mitglieder des digitalen Coworkings kommen aus den verschiedensten Bereichen und können sich so gegenseitig weiterhelfen, motivieren und inspirieren.

Nichtsdestotrotz biete ich im digitalen Coworking den Rahmen für eine unglaubliche Entwicklung: In unseren Check-Ins starten wir geordnet und produktiv in den Tag, in dem wir uns kurz erzählen, was bei uns heute so ansteht. Mir ist der zwischenmenschliche Austausch unglaublich wichtig, so dass wir nun auch regelmäßig in Breakout-Sessions gehen, sodass wir uns in Kleingruppen näher kennenlernen können. 

Neben den Check-Ins sind vor allem die Coworking Session sehr beliebt: Kamera an, Ton aus! Und dann wird produktiv gearbeitet. Nach ca. 50-60 Minuten erinnere ich an eine kleine 10-minütige Pause.

Monatlich haben wir außerdem sehr wertvolle Live-Expertencalls, in denen uns Expertinnen zu den Thema Business-Aufbau, Business-Wachstum, Selbstständigkeit und Home Office Tipps, Tricks und ihr Wissen verraten. Natürlich sind auch alle Aufzeichnungen der vergangenen Calls verfügbar. 

Einmal im Monat treffen wir uns auch zum Instagram Mastermind Circle. Hier planen wir gemeinsam unseren Instagram Monat und schauen in die Analytics. Die Members der digitalen Coworking Crew können gemeinsam brainstormen, Fragen stellen und Impulse von Außen zu ihren Ideen erhalten. Wo bekommt man schon sonst so geballtes Wissen und Feedback? 

Das ist natürlich noch längst nich alles: Denn neben unseren Netzwerkabenden und Kaffeeplausch-Terminen stehen schon neue Ideen in den Startlöchern: Mastermind Matchings, Accountability Buddies und weitere Workshops sind bereits in Planung!

Warum findest du das Thema Netzwerken und sich gegenseitig unterstützen so wichtig?

Ich glaube, dass Thema Netzwerken ist das Wichtigste in der Selbstständigkeit. Zu Beginn meiner Selbstständigkeit hatte ich kein Netzwerk und habe mit jeder neuen Person in meinem Umfeld gemerkt: Ein gutes Netzwerk ist im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert. 

Denn die gegenseitige Unterstützung ist das A&O bei der Gefühlsachterbahn der Selbstständigkeit. So kam ich übrigens auch an meine ersten Aufträge – durch Empfehlungen von meinen Kolleginnen.

Es macht einfach so viel mehr Sinn, sich gegenseitig zu unterstützen als sich als Konkurrenz anzusehen. Ich weiß, das ist manchmal leichter gesagt als getan, aber es kommen so viel bessere Sachen heraus, wenn man sich gegenseitig unterstützt, gemeinsame Projekte plant und bei der Konkurrenz nicht nach links und rechts guckt, sondern lieber bei sich bleibt. 

Meistens haben wir eh unterschiedliche Zielgruppen, unterschiedliche Ansätze und manchmal hilft es auch, dass Ganze in Perspektive zu setzen: Wie groß ist deine Zielgruppe? Wie viele Kund*innen könntest du überhaupt gleichzeitig bedienen oder möchtest du erreichen? Und nun sei mal ehrlich: Ist da nicht genug Platz für weitere Selbstständige in dieser Zielgruppe? Genau das möchte ich mit dem digitalen Coworking schaffen: Einen Raum für berufliche & zwischenmenschliche Verbindungen und jedes Mal schlägt mein Herz etwas höher, wenn wieder neue Verbindungen innerhalb des digitalen Coworkings entstehen. 

Aber nochmal zurück zum Anfang: Was waren deine ersten Schritte nach der Neugründung?

Die Neugründung war ein großer Schritt für mich: Es war mit vielen Anfangsinvestitionen verbunden und ehrlich gesagt, hatte ich keine Ahnung, wie man eigentlich ein Online Business aufbaut. 

Ich arbeitete zu dem Zeitpunkt zwar schon lange als selbstständige Social Media Strategin, aber über Social Media hinaus hatte ich wenig Ahnung von einem Online Business. Da das digitale Coworking komplett ohne Mitglieder übernommen wurde, war für mich die erste Frage: Wen möchte ich dort eigentlich anziehen? Und wie schaffe ich es, dass dort eine echte Community entsteht? 

Bei der Neugründung bereitete ich den Launch in einer Nacht und Nebelaktion vor: Instagram Account aufgesetzt, Inhalte vorbereitet und innerhalb einer Woche ging es los! Ich wollte keine Zeit verlieren, hatte aber auch noch keine Audience, da ich das Coworking ja gerade erst übernommen und überarbeitet hatte. 

Gab es Herausforderungen, denen Du dich bei der Neugründung stellen musstest? Wie hast Du es geschafft, diese zu bewältigen? 

Die größte Herausforderung bei der Neugründung waren wohl die „Gründungsmitglieder finden“ und das Erschaffen einer echten Gemeinschaft – ohne aktuelle Mitglieder. Doch es gab genug Unternehmerinnen, die an die Vision genauso geglaubt haben, wie ich es getan habe. Und gemeinsam mit einer kleinen Gruppe an Frauen – einige von ihnen sind immer noch täglich dabei – wuchs das digitale Coworking Stück für Stück. 

Nach der Neugründung hatte ich ein neues Konzept, ein neues Branding, neue Mitglieder und eine neue Zielgruppe. Die ersten Schritte waren besonders aufregend, aber Stück für Stück haben wir auch die Angebote innerhalb des Coworkings entwickelt – durch meine Ideen, Austesten und die Rückmeldungen und Ideen der Coworking Members. 

Mittlerweile haben wir ein mehr oder weniger gefestigtes Programm – hier sind neue Ideen und Anmerkungen aber natürlich auch immer gerne gesehen – und sind mittlerweile stark gewachsen. Die Herausforderung ist jedes Mal, dass sich auch neue Mitglieder wohl fühlen, dass auch hier eine Bindung geschaffen wird und sich alle Members untereinander austauschen.

Jennifer Thomas Fotografie

Wie arbeitsintensiv war die erste Zeit nach der Neugründung? Hast Du Tipps dafür, wie man trotz vieler To Dos nicht den Überblick und die Motivation verliert?

Die erste Zeit war sehr arbeitsintensiv. Allerdings hat sich das bis heute nicht geändert. Je mehr Mitglieder dazu kommen, desto mehr tolle Termine & Events konnte ich anbieten. So haben wir jetzt ein umfangreiches Portfolio an Angeboten und Terminen, sodass wirklich jedes Mitglied sich abgeholt fühlt und sich und ihr Business weiterentwickeln kann. Am Ende eines Tages soll jedes Mitglied sagen können: Wow! Ich fühle mich so inspiriert und heute war ein verdammt produktiver Tag! 

Um den Überblick nicht zu verlieren nutze ich ein Projektmanagementtool (awork.io), wo ich meine verschiedenen Projekte im Überblick behalte. Da ich nebenbei auch noch zwei Freelancer Kund*innen betreue, stehen dort auch hin und wieder To-Dos an.

Mich motiviert vor allem die Rückmeldung von meinen Mitglieder. Wenn diese mir spiegeln, dass sie sich inspiriert und motiviert fühlen, dann geht mein Herz auf! Langfristige Motivation halte ich vor allem, in dem ich mir immer wieder meine Erfolge vor die Augen halte. Auch habe ich eine starke Vision: Ich weiß genau, WARUM ich das digitale Coworking mache – und das motiviert mich ungemein. 

Apropos Motivation: Wie schaffst Du es, dich immer wieder zu motivieren? Wer oder was motiviert dich? Hast Du vielleicht sogar ein Idol?

Ein direktes Idol habe ich nicht – aber mich inspirieren die Wege von verschiedenen Gründerinnen. Schon allein im Coworking komme ich manchmal gar nicht mehr aus dem Staunen heraus: So inspirierende Geschichten und Wege, so spannende Business-Modelle und -Ideen. Das motiviert und inspiriert mich gleichermaßen. 

Natürlich motivieren mich aber auch meine Ziele, meine Vision und vor allem: Auszeiten. Denn nur wenn meine Batterien voll sind, kann ich wirklich alles geben.

Hast Du jemals an dir oder deiner Idee, das Digitale Coworking weiterzuführen, gezweifelt? Wie bist Du damit umgegangen?

Klar. Ich glaube, jede von uns kennt Zweifel und Ängste. Und es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, es wäre bei mir alles nur Eitelkeit und Sonnenschein. Besonders weil es so normal ist, war es für mich auch klar, dass es kein Grund zum Aufgeben ist. Meine Vision für das digitale Coworking ist so stark, dass ich einfach zu 100 % daran glaube. 

Mir hilft es ungemein, mich an meine Erfolge zu erinnern und das Positive zu sehen: In Momenten, in denen Zweifel hochkommen, lese ich mir das Feedback meiner Mitglieder durch, schaue an meine Mitglieder-Fotowand in meinem Büro und schaue mir auch die Entwicklung des digitalen Coworkings an. Und wenn alle Stricke reißen, dann darf auch mal eine Runde geweint und geflucht werden, so lange ich danach wieder aufstehe und mich wieder auf das konzentriere, was mich weiter bringt. 


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Welche Tipps würdest Du jungen Gründerinnen mit auf den Weg geben?

Ich denke, die zwei wichtigsten Faktoren für die Selbstständigkeit sind ein starkes Netzwerk und Geduld. Ein Netzwerk kann dich auf so vielen Arten und Weisen bereichern – sei es durch wertvolle Weiterempfehlungen, den fachlichen Austausch oder eben auch den persönlichen Austausch. Gerade in der Gründungsphase MUSS man hin und wieder hören: Ja, aller Anfang ist schwer. Und ja, die Gefühlsachterbahn und die Zweifel sind normal. 

Neben dem Netzwerk ist vor allem Geduld etwas, was auch wirklich nicht meine Stärke ist. Fokussiere dich auf eine Sache und gebe alles – schaue, was dich langfristig weiter bringt. Die Selbstständigkeit ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Also behalte das langfristige Ziel im Auge und gib nicht schon nach 10 Kilometern auf. 

Gibt es etwas, das Du jetzt anders machen würdest, nachdem Du an Erfahrung dazugewonnen hast?

Ich würde mich direkt von Anfang an, spitzer positionieren. Was habe ich diese Aussage am Anfang immer belächelt.

Nichtsdestotrotz ist es so viel einfacher, für genau DIE EINE Sache bekannt zu werden, also irgendwie alles ein bisschen anzubieten. Aber wenn ich ehrlich bin, war es für mich auch wichtig, diesen Prozess durchzulaufen. 

Eine weitere Sache ist die, mit der Geduld. Ich arbeite immer noch daran, geduldiger zu werden und meinen Ideen Raum und Zeit zu geben. Es gibt Dinge, die müssen sich entwickeln dürfen. Und dafür braucht es zu Zeit. Ich denke, der häufigste Fehler ist, dass zu schnell aufgegeben wird.

Wenn die Frage im Raum stehen würde: Würdest Du noch einmal gründen?

Ja klar! Aber nun darf ich mich erst einmal auf das digitale Coworking konzentrieren und all meinen Fokus und meine Energie in dieses absolute Herzensprojekt stehen. 

Zum Abschluss: Hast du ein Lieblingsbuch? Was ist dein absolutes Must-Read für alle, die sich selbstständig machen möchten?

Da gibt es einige: Viele Bücher sind sehr oberflächlich geschrieben, motivieren aber ungemein! Sehr zu empfehlen sind aber immer die OMR Reports, die alle Infos zu den Sozialen Netzwerken aufzeigen. Außerdem gibt es im Bereich Social Media Marketing noch das kostenlose Social Hub Magazin – jedes Mal ein Vergnügen. 

Ansonsten kann ich jeder Gründerin das Buch „Nur wer sichtbar ist, findet auch statt“ von Tijen Onaran ans Herz legen.


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